General Jovan Divjak stand im Bosnienkrieg auf der falschen Seite

Posted on Mai 22, 2018 von

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Serbiens Rache – General Jovan Divjak stand im Bosnienkrieg auf der falschen Seite

 

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Es war der 3. Mai 1992, als die Geisel befreit werden sollte – im Austausch zu jugoslawischen Soldaten, die in ihrer Kaserne in Sarajewo stationiert, aber von bosnischen Truppen eingekesselten waren. Die Geisel, das war der tags zuvor von Serben am Sarajewoer Flughafen gekidnappte bosnische Kriegspräsident Alija Izetbegovic. Der deal lautete: Im Gegenzug freier Abzug der jugoslawischen Soldaten samt ihrer Kriegsausrüstung, ihren Panzern und der Technik aus Sarajewo. Beides sollte zeitgleich erfolgen. Die ersten Kolonnen hatten bereits die Dobrovoljacka Straße passiert, Izetbegovic war in Sicherheit, als auf bosnischer Seite der Befehl „schießen“ ertönte.

Was danach folgte war nach serbischer Schilderung ein Massaker, bei welchem Belgrad zunächst von mehreren Hundert toten jugoslawischen – überwiegend serbischen – Soldaten sprach, diese Zahl jedoch mittlerweile auf 40-50 reduzierte.  Auf bosnischer Seite beziffert man die Zahl der Toten mit weniger als 10. Insgesamt konfiszierte die bosnische Armee 16 Panzer  des Kriegsgegners.  Doch bis heute ist unklar, wer den Schießbefehl tatsächlich gab.

Vergangenes Jahr war in London der bosnische Politiker Ejup Ganic aufgrund eines von Belgrad ausgestellten Haftbefehls festgenommen  worden. Er habe  das Blutbad in der Dobrovoljacka Straße  angeordnet, behauptete Serbien. Wenige Wochen später kam er frei. Es habe sich wohl eher um eine politisch motivierte Anklage gehandelt, konstatierten britische Richter. Serbiens Reaktion: Man stockte die  „Liste der Verdächtigen“  auf fast 20 Personen auf – zumal die Internationale Gemeinschaft offenbar willig die Haftbefehle vollstreckt.   Am 3. März wurde der serbische General Jovan Divjak, der bis zum Ende des Bosnienkriegs als aktiver General der bosnischen Armee Sarajewo verteidigt hatte, auf dem Wiener Flughafen festgenommen. Daß das Internationale Kriegstribunal in Den Haag lange vorab festgestellt hatte, daß es keine Beweise für Divjaks Schuld in der „Affaire Dobrovoljacka Straße“ gebe, störte die österreichische Justiz dabei nicht.

Die angekündigte Freilassung des 74-jährigen  gegen eine von der bosnischen Regierung gestellte Kaution von 500 000 Euro und die Auflage, Österreich bis zur Klärung des Falls nicht zu verlassen,  schönt die blamable Situation kaum.

Divjak ist immer noch ein Krebsgeschwür im Selbstverständnis serbischer Politik, ein Judas – der als Serbe seine Landsleute verriet, indem er für die Einheit Bosniens in den Reihen der bosnischen Armee unter Leitung des Muslimen Alija Izetbegovic kämpfte.

Auch das heutige Serbien will sich, trotz verbaler  Beteuerungen proeuropäischer Gesinnung und Distanzierung von der Kriegspolitik Milosevics, immer noch nicht als Initiator der Balkankriege in den 90-er Jahren sehen. Daß man sich „nur verteidigte“, soll in Beispielen wie der Tragödie der Dobrovoljacka Straße der eigenen Bevölkerung wie der internationalen Gemeinschaft  immer wieder vor Augen geführt werden. In die Ideologie der Opferrolle, eines von allen Nachbarnationen bedrohten Serbentums, paßt deshalb kein General wie Jovan Divjak. Daß dieser selbst in der serbischen Teilrepublik Bosniens, der Republik Srpska, bis heute als Kriegsverbrecher verfolgt wird, verwundert da kaum.

Das Schicksal des Jovan Divjak ist nicht nur ein Einzelschicksal, es ist auch ein Spiegelbild des zerrissenen Bosnien –  jener Fata Morgana westlicher Politik, die jahrelang nach dem Krieg mit Erfolgen prahlte, die es nie gab. Statt die bosnischen Politiker zum Aufbau eines demokratischen Staates zu zwingen, wurden Milliarden von Aufbauhilfen verpulvert und die Hohen Repräsentanten der Internationalen Gemeinschaft immer macht- und hilfloser. Unsere Politiker haben ihren Haß auf die Bevölkerung übertragen, die Situation ist schlimmer als während des Kriegs sagt nicht nur Divjak. Auf die Frage, warum in Sarajewo kaum noch Serben leben, antwortet er ohne zu zögern: ..weil sie in Sarajewo nicht mehr leben können.

Daß auch sein Kampf um den Erhalt eines multiethnischen, von Muslimen, Serben und Kroaten  gleichberechtigt bevölkerten bosnischen Staates oft zum Alptraum wurde, darüber wissen nur wenige Bescheid.

Gewiß, der Westen enttäuschte,  indem er ins Todeslager auf dem Balkan mehr als Schaulustiger denn als Helfer blickte.  Die islamische Weltgemeinschaft konnte selbst mit der Entsendung radikaler Mudschahedine zur Verstärkung der bosnischen Armee und Waffenlieferungen mit stillschweigender US-Billigung die serbische Militärübermacht kaum wirklich schwächen. Und daß die in Bosnien lebenden Kroaten über Nacht vom Freund zum Kriegsgegner wurden, auch dies konnte den Enthusiasmus des Serbengenerals bei der Wiederherstellung eines multiethnischen Bosnien nicht stoppen.

Viel schlimmer wog das Mißtrauen, das ihm bald in der bosnischen Armee entgegenschlug – auch von Bosniens Kriegspräsident Alija Izetbegovic. Immer wieder  wurde Divjak in den Medien mit seiner ironischen Aussage „ich bin Izetbegovics Ikebana“ zitiert. Wenn ausländische Delegationen oder Politiker eintrafen, wurde er als „serbischer General“ vorgeführt, um den Kampf Sarajewos um einen multiethnischen Staat zu untermauern.  Doch bei strategischen Lagebesprechungen zwischen der bosnischen Führung und deren Militärs war der serbische General nur selten anwesend.  Man mißtraute mir, gesteht er offen:  „Für diejenigen hinter den Bergen (Karadzics Serben die Sarajewo 3 1/2 Jahre belagerten) war ich ein Verräter – in Sarajewo zweifelten sie ebenfalls an meiner Loyalität.

Wie tief der Argwohn bei den bosnisch-muslimischen Generälen bereits in den ersten Kriegsmonaten saß belegt der jetzt aufgerollte Fall der Dobrovoljacka-Straße, die nun  zu Divjaks Verhaftung führte. Ich rief „nicht schießen“, erinnert sich dieser, ..“da brüllte einer aus der bosnischen Armee  in seinen walky-talky: Jagt Divjak zum Teufel, er hat sein eigenes Volk verraten – er wird auch uns verraten.“

Ich weiß, sagt Divjak, wer diese Person war. Zudem gäbe es zahlreiche Augenzeugen, die eindeutig bestätigen könnten, daß er klar „nicht schießen“ rief.

Als sich kurz nach Kriegsbeginn Gerüchte verstärkten,  daß in Sarajewo etwa 300 Serben von angeheuerten Kriminellen getötet wurden, forderte Divjak Präsident Izetbegovic schockiert zur Klärung auf. Die Antwort konnte ihn kaum überzeugen. Auch die bosnische Armee hatte 2 Brigaden mit Kriminellen, ähnlich wie die Serben ihre mordenden und plündernden Freischärler.

1993 folgte der nächste Schock. Jetzt schien selbst Bosniens Kriegspräsident Izetbegovic die Idee eines multiethnischen Bosnien aufzugeben und war bereit, einem Moslem-Staat auf dem Balkan zuzustimmen.  Izetbegovic habe sich trotz der sichtbaren Überforderung überall eingemischt, doch er sei nicht fähig gewesen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, lautete Divjaks Fazit. Auch die Achillesferse des heutigen Bosnien,  nämlich die nahezu unabhängig innerhalb des bosnischen Staates funktionierende „Republik Srpska“ in welcher die Serben nahezu autonom herrschen, sei keineswegs bei den Friedensgesprächen von Dayton nach mühsamen Verhandlungen beschlossen  worden. Deren Anerkennung, sagt Divjak, sei lange vorher zwischen bosnischen und serbischen Politikern bei einem Trefffen in der Schweiz erfolgt. ……..

https://jaessl.wordpress.com/2011/03/09/serbiens-rache-general-jovan-divjak-stand-im-bosnienkrieg-auf-der-falschen-seite/

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