Der neue Präsident in Rumänien: Klaus Johannis feiert in der Wahlnacht seinen Sieg

Posted on November 17, 2014 von

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17. November 2014 14:21
Wahlsieger in Rumänien Saubermann mit deutschen Wurzeln

Klaus Johannis feiert in der Wahlnacht seinen Sieg mit Anhängern in der rumänischen Hauptstadt Bukarest

Seine Eltern wohnen in Bayern, er regiert demnächst in Bukarest. Die Rumänen haben zum ersten Mal den Angehörigen einer deutschen Minderheit zum Präsidenten gewählt. Doch wer ist der aus Siebenbürgen stammende Klaus Johannis – und wie konnte er gewinnen?

Von Barbara Galaktionow, Markus C. Schulte von Drach und Martin Anetzberger

Zum ersten Mal wird ein deutschstämmiger Politiker zum Präsidenten Rumäniens gewählt. Klaus Johannis ist seit 14 Jahren Bürgermeister von Hermannstadt (Sibiu). Am Sonntag gewann er überraschend die Stichwahl gegen den sozialdemokratischen Regierungschef Viktor Ponta. Der Konservative Johannis gehört der deutschsprachigen Minderheit der Siebenbürger Sachsen an. Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Physiklehrer, Bürgermeister, Präsident: Wer ist Klaus Johannis?

Die Laufbahn von Klaus Johannis ist sicherlich nicht typisch für einen Spitzenpolitiker. Der frisch gewählte rumänische Präsident ist ein politischer Quereinsteiger – mit großem Erfolg. Der heute 55-Jährige studierte Physik und startete dann als Gymnasiallehrer ins Berufsleben, noch zu Zeiten der Ceaușescu-Diktatur. Nach dessen Sturz gingen seine Eltern und seine Schwester nach Deutschland, heute leben sie in der Nähe von Würzburg. Klaus Johannis blieb.

Rumänien Johannis gewinnt Präsidentenwahl

Regierungschef Ponta hat seine Niederlage eingeräumt. Laut Hochrechnungen wird der deutschstämmige Klaus Johannis Rumäniens neuer Präsident.

Seine politischen Meriten verdiente sich der deutschstämmige Rumäne, der mit einer Rumänin verheiratet ist, in der Lokalpolitik. Im Jahr 2000 wurde er als Kandidat des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR), dem er seit 1990 angehört, zum Bürgermeister seiner Heimatstadt Hermannstadt (Rumänisch: Sibiu) gewählt. Johannis ließ die marode Altstadt sanieren und sorgte dafür, dass Hermannstadt 2007 Europäische Kulturhauptstadt wurde. Er ließ die städtische Infrastruktur erneuern, führte eine moderne, effiziente Verwaltung ein und lockte deutsche und österreichische Investoren an. Dreimal wurde Johannis als Bürgermeister mit beachtlichen Mehrheiten wiedergewählt.

Mit seinem seinem soliden und vor allem sauberen Image schaffte es der Siebenbürger Sachse dann auch auf die Bühne der nationalen Politik. 2013 trat der Rathauschef der damals mitregierenden Nationalliberalen Partei (PNL) bei, 2014 wurde er deren Vorsitzender. Mit dem Slogan „Gutes Handwerk“ zog Johannis in den Präsidentschaftswahlkampf. Selbst eine Hetzkampagne, mit der die Chancen des Protestanten aus Siebenbürgen geschmälert werden sollten, griff nicht. Nun muss sich zeigen, ob der Lokalpolitiker Johannis die Rumänen auch auf nationaler und internationaler Bühne überzeugen kann.

Wie kam es zu Johannis‘ Wahlsieg?

Aus dem ersten Wahlgang am 2. November war Ministerpräsident Viktor Ponta noch als Sieger hervorgegangen. Der Sozialist kam bei einer Wahlbeteiligung von 53,2 Prozent auf 40,4 Prozent der Stimmen. Klaus Johannis trat für die Christlich-Liberale Allianz (ACL) an, der auch seine PNL angehört. Er erhielt nur 30,4 Prozent, schaffte es damit aber trotzdem in die Stichwahl.

Die Abstimmung am 16. November gewann er nun überraschend mit knapp 55 Prozent. Zu seinem Erfolg dürfte die im Vergleich zum ersten Wahlgang wesentlich größere Mobilisierung der Wähler beigetragen haben – die Beteiligung lag bei mehr als 62 Prozent. Nach Angaben der Wahlkommission gingen am Sonntag etwa 379 000 im Ausland lebende Rumänen zur Wahl und damit mehr als doppelt so viele wie in der ersten Runde. Von den 160 000 Auslandsrumänen hatten bereits im ersten Wahlgang lediglich 16 Prozent für den Sozialisten Ponta gestimmt. Sollte diese Gruppe ihr Wahlverhalten nicht radikal verändert haben, hat sie maßgeblich zur Wahl Johannis‘ beigetragen.

Warum gingen plötzlich so viele Auslandsrumänen zur Wahl?

Das Motiv dürfte unter anderem Wut gewesen sein. Pontas Regierung hatte den im Ausland lebenden Rumänen das Wählen schwer gemacht. Eine elektronische Wahl war ebenso wenig möglich wie die Wahl per Brief. Gerade einmal 294 Wahllokale standen den mehr als zwei Millionen Auslandsrumänen zur Verfügung, fünf davon in Deutschland.

Die Wähler mussten somit oft eine lange Anreise und außerdem lange Wartzeiten in Kauf nehmen. Auf ein Wahllokal kamen im Schnitt knapp 7000 Wahlberechtigte. Zum Vergleich: Bei der Bundestagswahl 2013 standen 2,5 Millionen Wahlberechtigten in Berlin etwa 1700 Wahllokale zur Verfügung – das sind weniger als 1500 Stimmberechtigte pro Wahllokal. Trotz stundenlangen Wartens konnten viele rumänische Bürger im ersten Wahlgang am 2. November ihre Stimme nicht abgeben, bei der Stichwahl kam es erneut zu Problemen. Ponta hatte sich trotz einer Empfehlung der Wahlkommission geweigert, mehr Wahllokale zur Verfügung zu stellen. In mehreren Städten kam es zu Zwischenfällen……………………..

http://www.sueddeutsche.de/politik/wahlsieger-in-rumaenien-saubermann-mit-deutschen-wurzeln-1.2223988

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